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Jahresbericht 2007/2008   

Nach 4 Jahren ist der Bekanntheitsgrad der Kirchlichen Stelle für Gemeindeberatung und Supervsion weiterhin gestiegen. In 44 Pfarreien war der Stellenleiter in irgendeiner, kontraktierten Weise seitdem tätig. Einige greifen regelmässig auf seine Dienste zurück, womit eine gewisse Kontinuität der Arbeit und auch eine Vertrautheit wachsen kann.

Die 2008 neu ins «Angebot» übernommene Möglichkeit von Einzelsupervisionen und Coaching muss erst noch bekannter werden, da sie anfangs explizit ausgeschlossen worden war und es in einigen Publikationen (Personalförderungsbroschüre) nach wie vor ist. Hintergrund dieser Angebotserweiterung war der steigende Bedarf nach Einzelberatung, gerade im Kontext von Team- oder Gruppenberatungen sowie der künstliche Charakter dieser Einschränkung.

Das führt zu einem weiteren Ansteigen von telefonischen Anfragen und Supportleistungen.

Weiterhin hat sich der Einzug vom Ombudsmann der Kantonalkirche, Dr. Helmut Steindl in den zweiten Raum der Beratungsstelle zu einer sinnvollen Vernetzung zwischen beiden Einrichtungen geführt, wobei die Diskretion bzw. Anonymität der Klienten vollumfänglich gewahrt bleibt.

Die abgeschlossene Mediationsausbildung vom Stellenleiter eröffnet ein weiteres Betätigungsfeld, das noch weiter bekannt gemacht werden muss.

1 Projekte

Im Jahr 2008 wurden 25 Projekte durchgeführt. 17 davon konnten abgeschlossen werden, 8 werden 2009 fortgeführt.

Bei den 25 Projekten handelt es sich um Beratungen, Projektbegleitungen, Supervisionen, Kommunikationstrainings.

Neben prozesshaften Beratungen wurden vor allem von Kirchenpflegen sowie Pfarreiräten die Möglichkeit eines Klausurtages oder Weekends genutzt.

Vier Mediationen konnten erfolgreich durchgeführt werden, wobei der Erfolg in einem Fall nicht in einer Win-Win-Situation lag, sondern in der Klärung untragbarer Verhältnisse samt Kündigung.

Einige Pfarreien entwickeln sich zu «Stammkunden», welche in den letzten Jahren häufiger mit dem Stellenleiter zusammengearbeitet hatten. In solchen Fällen erübrigen sich vorgängige Sondierungsgespräche und erlauben eine sofortige Aufnahme der Massnahmen.

2 Beratungs- und Themenschwerpunkte

Sämtliche Anlässe waren themen- und projektorientiert, 5 waren konfliktbezogen.

Themen waren u. a.: Bildung eines Pfarreirates aus drei verschiedenen Pfarreigruppierungen, Standortbestimmung, Klärung des eigenen Selbstverständnisses, Definition von Ressorts und Aufgabenverteilung, Zukunftswerkstatt, Fragen der Motivation, Optimierung von Strukturen, Kommunikationstraining, Moderation schwieriger Sitzungen, die Begleitung von Personalsuche- und -einstellung.

2008 gab es aufgrund der erworbenen Profession erstmals klassische Mediationen und die Professionalisierung der Personalsuche. Gerade hier investieren Kirchenpflegen aufgrund der schwieriger werdenden Situation auf dem «Personalmarkt» sowie aufgrund belastender Erfahrungen mit Fehleinstellungen mehr Zeit und die Bereitschaft für professionelle Unterstützung.

Im Auftag des Generalvikariates war am intensivsten die Mitarbeit in der Arbeitsgruppe 44 der Pastoralplanungskommission der SBK sowie die Mitarbeit in der Personalförderungskommission und der Arbeitsgruppe «Zukunftswerkstatt».

3 Kosteneinnahmen

Fr. 6’450.– betrugen die durch die ZK 2008 eingenommenen Kosten. Diese resultieren aus dem «realsymbolischen» Betrag von Fr. 50.– reiner Beratungsarbeit. Sowohl die vorgängigen Sondierungsgespräche als auch die Nachbearbeitung würden sicher weitere 150 Std. in Anspruch nehmen.

4 Qualitätssicherung der Stelle

Der Berufsverband für Supervisoren (BSO) hat ein aufwendiges Qualitätssicherungsverfahren eingerichtet, das neben Fallbesprechungen, gegenseitigen Hospitationen, regelmässigen Intervisionen auch schriftliche Evaluationen enthält. Es wird alle 2 Jahre durchgeführt, erstmalig 2008. Der Stellenleiter hat dieses Verfahren erfolgreich bewältigt und die weitere Akkreditierung im Verband erreicht.

Die Rückmeldungen am Schluss aller Projekte geben zudem konkrete Aufschlüsse zum Erfolg der Arbeit.

Das GV erfährt aus eigenem Erleben oder über andere Kanäle Informationen, welche zur Qualitätssicherung der geleisteten Arbeit dienen. Die obligaten internen Feedbacks nach jeder Einheit belegen es darüber hinaus. Nach wie vor bildet die institutionelle Eigenständigkeit und Diskretion die Voraussetzung für eine vertrauensvolle Beratung sowie für die meisten Aufträge.

5 Beobachtungen aus der Beratungspraxis

Hierbei handelt es sich um rein subjektive Beobachtungen aus dem Beratungsalltag, die keinen Anspruch auf statistische Repräsentanz haben können.

5.1 Professionalitätsdefizit

Im kirchlichen Feld wird ein Defizit an professioneller Einstellung immer deutlicher: einmal bei den Mitarbeitenden, dann bei den Behörden.

Zunächst gibt es ein für ein Non-Profit-Unternehmen sehr hohes Mass an persönlicher Nähe, Harmoniebedürftigkeit und Frustrationsintoleranz, sicher bedingt durch die Leitbilder «Mutter Kirche», «Pfarreifamilie», «Geschwisterlichkeit» sowie durch ein berufliches Selbstverständnis der Seelsorgenden als «Beziehungsarbeiter». Das äussert sich u. a. in einer Tabuisierung des Themas «Salär». Alle werden – mittlerweile marktanalog – für Ihre Tätigkeiten bezahlt. Damit setzen sie sich Erwartungen und Verpflichtungen aus, z. B. – als Leitender – jener Pflicht, Führung wahrzunehmen oder – als Katechetin – über eine ausreichende professionelle Rollendistanz zu verfügen oder Veranstaltungen grundsätzlich durch Rückmeldungen zu beschliessen sowie eine Evaluation anhand vorgängig festgelegter Erfolgs-Parameter durchzuführen, Qualitätsbeurteilungen zu befördern etc. Leicht kränkbare Individuen, scheue Führungspersonen sowie aktivistische Macher bestimmen mehr und mehr das Terrain. Das Zerrbild eines unbarmherzigen, menschenverachtenden Managers wird zur Selbstlegitimation beigezogen. Konkret: Mails werden oft tagelang nicht gelesen, persönliche zwischenmenschliche Spannungen führen sofort zur inneren oder faktischen Kündigung, private Belastungen werden 1:1 auf die Arbeitsstelle umgewälzt, Personaleinstellungen erfolgen als «Bauchentscheidungen», später münden sie oft in Bauchschmerzen, Leitungspersonen verstecken sich hinter Instanzen, Sachzwängen oder tauchen ab, externe Hilfe wird nicht als Professionalisierungsmassnahme angesehen, sondern als Eingeständnis eigenen Versagens missverstanden, Unti-Stunden werden intern einfach abgesagt, ohne dies Sekretariat und Leitung zu deklarieren.

5.2 Kirchlicher «Nachwuchs»

Neu-Seelsorgende sind sowohl bei den Klerikern als auch bei den Laien keine Garanten für Innovation und Aufbruch mehr. Immer mehr junge Priester fühlen sich in der Liturgie wohl, aber bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen überfordert. Sie flüchten am liebsten in die Senioren- oder Spitalseelsorge.

Immer mehr neue PastoralassistentInnen sind Spätberufene, ähnlich ist es bei den auszubildenden Katechetinnen. Neulinge, die über 50 Jahre alt sind, scheinen oft die Regel. Neben Lebens- und Berufserfahrungen bringen sie gelegentlich heftige Altlasten mit und haben z. B. Mühe bei der Teamarbeit. Ausserdem ist die Motivationslage manchmal disparat und eine persönliche Ich-Stärke nicht besonders ausgeprägt.

Vor allem bei Bewerbungsverfahren wird der ausgetrocknete Personalmarkt immer spürbarer und inkompetente bzw. ungeeignete Personen, gerade auch bei Jüngeren, sind einmal als solche wahrzunehmen und zum andern abzulehnen.

6 Perspektiven

6.1 Mediation und Coaching

Die neuen Angebote von Mediationen und vom Coaching (für Einzelpersonen) müssen noch deutlicher publiziert werden, gegenteilige Passagen sind zu eleminieren.

Diesbezüglich werden in Zukunft die Zuständigkeiten von Ombudsstelle und Gemeindeberatung stärker zu profilieren sein, damit Doppelspurigkeiten vermieden und gegenseitige Zuweisung von Klienten verstärkt wird, zum Gewinn für die Mitarbeitenden unserer Kirche.

6.2 Internetpräsenz

Seit November 2008 laufen die Vorbereitungen für eine eigene Website der Stelle für Gemeindeberatung. Diese sollte spätestens im April aufgeschaltet sein. Die Internetplattform soll nicht nur Informationen über die Stelle, über ihr Angebot und die Arbeitsweise bieten, sondern auch Kommentare des Stellenleiters, gewisse Beratungswerkzeuge und Dokumente bereit stellen. Andererseits kann sie nur ein beschränktes Angebot bieten, da ihre Betreuung allein in den Händen des Stellenleiters liegt.

6.3 Vernetzungen

Mit der reformierten Kirche gibt es momentan nur die Möglichkeit eines Informationsaustausches; Kooperationen sind mangels einer Partnereinrichtung und eines anderen Beratungskonzeptes nicht möglich. Intensiver kann hingegen die Vernetzung mit dem kirchlichen Ombudsmann, Dr. Helmut Steindl gestaltet werden. Dem kommen die räumliche Büro- und kollegiale Nähe sehr entgegen.

7. Januar 2009


© 2009–2021, Kirchliche Stelle für Gemeindeberatung und Supervision, 04.03.2021